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FRAU POTZ, LOVE A, 13.04.12 Berlin

Frau Potz + Love A, 13. April 2012 – Berlin, About Blank

Es war ein kleiner, aber schmerzhafter Aufschrei, der durchs Land ging, als Escapado kaputtgingen. Dass Felix Schönfuss, der zuletzt im norddeutschen Hardcore-Quartett für die Vocals zuständig war, schon eine zweite Kapelle in der Hinterhand wusste, ahnten nicht allzu viele. Frau Potz, ein Name wie eine Eckkneipe, dürfte aber mittlerweile dank Features in so ziemlich allen deutschsprachigen Gitarrenmusik-Medien der ehemaligen Fanschar ein Begriff sein. Das Debüt Lehnt dankend ab verteilt reihenweise Arschtritte in die Fresse und kleidet den Hass noch bratziger in fette Distortion-Wände und geschriene Zeilen. Für einige Termine der Tour hat sich die Frau Potz Love A mitgenommen. Zum Glück!

Denn der Fünfer aus Trier (von dem warum auch immer nur vier zu sehen sind) liefert ganz hervorragend ab! Der Sound ist ziemlich clean, die Drums kloppen nicht alle Viere durch, sondern arbeiten fleißig Breaks ein. Und Sänger Jörkk bläkt abstraktes Zeug, das auch nach mehrmaligem Nachhören auf dem am Merch eingesackten Album Eigentlich manchmal grandios, manchmal einfach grandios unsinnig ist. Dazu diese Boogie-Woogie Bewegungen, gepaart mit NDW-Klang und -Aussehen minus Live-Syntheziser – toll! “Wasserrutsche! Wasserrutsche! Nein, nein, nein – sie liebt dich nicht!” Was für eine schöne Entdeckung! Das finden einige im Publikum auch, sodass Jörkk korrekterweise gegen Ende des halbstündigen Sets feststellt: “Danke! Ihr seid ein… Publikum!” Verrückt!

Da gibt Frau Potz einen unerwartet sperrigen Kontrast ab. Deutliche Ansagen, volle Breitseite: “Wenns euch nicht gefällt, da hinten links ist die Tür!” im Opener, “Fang endlich an zu leben! Fang endlich an zu fühlen!” mitten im Set und die Liste ließe sich noch ein Weilchen weiterführen. Die Songs von Lehnt dankend ab sind voll von zustimmungsfähig formulierter Abneigung und Unmut, ein großer Klumpen Hass, der von der Snare Drum gepeitscht aus Felix’ Kehle in die offenen Arme der Meute fliegt. Dass die Stimme ein paar Mal an den Rand des Machbaren kommt, ignoriert Felix, der 45 Minuten lang zwischen Kreisch-Zetern und Singen wechselt. Nicht unbedingt wegen des reichlich prätentiösen Bühnenabgangs, sondern eher wegen der tollen Love A bleibt die Vorband an diesem Abend stärker in Erinnerung als die meckernde, fluchende Frau Potz. Die wird einem für dieses Urteil eh nur Geh, Affe, geh an den Kopf werfen.

Frank Segert

Stichwort...

Neue Musik...

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