PUNK IM POTT Festival 2009 - Liveticker
PUNK IM POTT, Oberhausen, Turbinenhalle, 27.-28.12.09
Das PUNK IM POTT FESTIVAL einmal aus einer etwas anderen Sicht. Maks von Rilrec, der mit seinem Verkaufsstand auf dem Festival war, berichtet im Liveticker von seinen Erlebnissen.Liveticker 27/12/2009
9:12 Uhr: Wir erreichen die Turbinenhalle zum Aufbau unserer Plörren. Erstmalig sind wir hier mit einem Stand vertreten und harren mal der Dinge, die da so kommen werden. --- 12:54 Uhr: Um 12:45 werden die Leute mehr als pünktlich reingelassen. Exakt 6 Minuten später legt sich der erste Typ vor unseren Stand in seinen BW-Rcksack und beginnt zu schnarchen. +++ 12:57 Uhr: Inzwischen ist der zweite Pünk in unseren Stand gefallen. Wir stützen den Tisch im Wechsel ab. Offenbar hat der Großteil der Anwesenden die Nacht am Oberhausener HBF verbracht. Entsprechend sind von den bisher ca. 100 Anwesenden 97 betrunken. Die restlichen drei tun mir leid. +++ 13:18 Uhr: Nach erster Reviermarkierung haben sich inzwischen 15-20 Personen vor unseren Stand zum schlafen gelegt. Da unser Stand über Eck geht, tragen wir unsere Plörren von der Seite nach vorne. +++ 13:33 Uhr: Wow, offenbar trifft sich in diesem Jahr die Elite der Creme de la Creme: An uns torkelt ein Typ mit Warnweste und der Aufschrift "Pimmel-Elite" (wie gesagt) vorbei mit einem ordentlichen Brandloch in den Haaren. Dabei verschüttet er sein gerade geholtes Bier auf 20 Meter in regelmäßigen Mengen, bis es komplett leer ist.
+++ 13:40 Uhr: Der erste Zockversuch. Zumindest der erste, der mir auffällt. Da ich dem jungen Mann noch hinterherschreien kann "und das möchtest Du gerne haben?" dreht er sich irritiert um und bejaht. Als ich ihm 8 Euro abnehmen, sagt er "ich dachte das kostet 3 Euro." Nein, tut es nicht. --- 14:20 Uhr: Wir philosophieren, warum die Anwesenden sich nicht an den Rand, sondern in die Mitte der Vorhalle legen. Das Plenum bleibt ergebnislos. --- 15:27 Uhr: Erste Band ist um, während sich ein Typ an unserem Stand zwei Mappen mit Motivvorlagen jeweils 10-15 Minuten durchschaut ohne zu merken, dass beide Mappen absolut identisch sind. --- 16:12 Uhr: Irgendwer fragt mich ernsthaft, ob ich seinen Freund gesehen hätte und beschreibt ihn mir: "Mit so´m Iro." Ach so, der... --- 16:58 Uhr: Die schlafwütigen werden wieder mehr. An unsere Wühlkisten kommt kein Arsch mehr dran. --- 18:18 Uhr: Tärä - ich werde zum 50. mal gefragt, wo es denn die Biermarken gibt. Aber nicht nur das: Ein junger Mann erkundigt sich bei mir, ob wir Zwakkelmann-Shirts hätten. Ja, haben wir. Er dreht sich um und verschwindet. --- 18:23 Uhr: Die Komik erreicht ihren Höhepunkt. Daniel: "Wo issen mein Bruder?" - Irgendwer: "Gestorben." - Daniel: "Scheiße, das ist doch mein Bruder!" --- 22:22 Uhr: Die ersten Leute bezahlen ihre Klamotten wegen Geldmangels mit Biermarken!! --- 23:12 Uhr: Uns reicht es für heute. Erstens verticken wir hier so gut wie nix, weil unser Angebot schlichtweg nicht wirklich auf Teutschpunk ausgelegt ist und die "Angebotspalette" auch nicht wirklich so breit jefächert ist (außer an SR, der für 50% des Umsatzes sorgt), zweitens sind unsere Nachbarn und Kumpels von der Plastikbombe auch seit ner guten oder zwei Stunden weg und drittens müssen wir noch irgendwie durch die Horde zum abbauen kommen. Fazit des ersten Tages: Zwischen abgenervt und amüsiert. Aber natürlich auch immer mal wieder einige nette Leute, die auf nen Plausch vorbeikommen. --- 1.39 Uhr: Ich leg mich den Bully und penn n paar Stunden.Liveticker 28/12/2009
6:56 Uhr: Meine Schlafstörungen machen sich auch im Bully bemerkbar. Außerdem drückt es mangels Entleerungsmöglichkeit doch so langsam auf meinen Darm. Ich beschließe widerwillig hinter den Bully zu kacken, bemerke jedoch beim öffnen der Hintertür (also die des Bullys jetzt), dass das bereits etliche andere für mich erledigt haben. Ich beschränke mich aufs urinieren und leg mich nochmal hin. --- 7:59 Uhr: Ich erblicke noch einmal verschüchtert aus dem RilRec-Mobil und sehe voller Erstaunen, wie sich Horden von Farbklecksen die riesige Treppe am Ein- wie Ausgang herunterbewegen. Tatsächlich werden gerade alle BesucherInnen rausgekegelt, damit wir in Ruhe unseren Stand wieder aufbauen können. Nebenbei räumen fleißige Helferlein mal eben in zwei Stunden oder so die Halle auf, damit sie Sekunden später wieder versifft wird. Trotzdem sind wir mehr als dankbar dafür. Das sieht wohl auch die Klofrau so, die beim Wischen des Bodens einfach nicht das gewünschte Ziel erreicht und immer wieder "das ist krass, das ist sowas von krass" vor sich herredet. Ich möchte nicht mit Dir tauschen, Baby! --- 9:09 Uhr: Gesa besucht uns und berichtet von der ominösen Slime-Platte, welche am Vortag von uns als Kopfkissen eines Punks identifiziert wurde. Diese hatte sie des Nachts an einer Wand lehnend, umgeben von (halb)schlafenden Pünken gesehen und wollte sie mit einem Trick (Jacke drüber werfen und so) zunächst für sich erobern, traute sich dann aber doch nicht. --- 10:01 Uhr: Das Volk wird wieder reingelassen. Vor unseren Stand legen sich zwei junge Männer, ziehen sich gegenseitig ihre Hosen aus und tauschen diese (ist zwar schon gestern direkt nach der Öffnung passiert, hatte ich aber vergessen zu erwähnen, so dass wir das mal unauffällig auf heute verschieben). --- 10:11 Uhr: Yeahy!! Neben uns wird die Tür zur Halle geöffnet, die gestern den ganzen Tag verschlossen war, so dass die eine Seite unseres Standes (welcher an die Türe grenzt) als 24-Stunden-Schlafplatz genutzt wurde. Trotzdem schaffen es tatsächlich noch diverse alkoholisierte Menschen sich auf die 1,20 Meter zwischen Tür und Stand zu quetschen. Die größere Arschkarte jedoch ziehen die Plastic Bombler, da jetzt die Tür neben diesen noch verschlossen ist, da die Nebenhalle noch aufgeräumt wird. --- 10:31 Uhr: Ich hätte gerade tatsächlich jemandem ein "KOTZEN IST SUPER!"-Shirt angedreht, wenn ich die Motividee ein paar Tage vorher gehabt hätte und entsprechend die Möglichkeit hier und jetzt dank unserer Drucktransferpresse eins anzufertigen. --- 10:40 Uhr: Die ansonsten wenig hier reinpassende Turbinenhallen-Thekenbesatzung (teilweise fantastische angeekelte Blicke) sorgt tatsächlich für einen Lacher meinerseits, als ein Typ in einem Regal eine Rolle blaue Mülltüten findet und seiner Kollegin zuruft: "Ey, ich hab noch n paar Schlafsäcke gefunden!!" --- 11:06 Uhr: Ich entdecke das ultimative T-Shirt für alle, die kein Fußball mögen: "Saufen, ficken, oi oi oi!" --- 11:20 Uhr: Ca. 18jähriger Punk und sein noch unerfahrener, etwas jüngerer und unsicherer wirkender Kumpel, besuchen unseren Stand. Erstgenannter schaut die Vinyl-Kiste durch. Zweitgeannter fragt: "Sind das LPs?", Erstgenannter antwortet: "Nein, das sind übergroße CDs!". Ich schmunzel. --- 11:30 Uhr: Die allerärmste Sau ist der Klomann hier - die Klofrau ja sowieso. Der Boden ist bereits wieder völlig überschwämmt, von den Klos selber will ich mal gar nicht reden. Ich hab keine Ahnung, wie man sowas anrichten kann ohne gleichzeitig selber von allen Seiten von Herpeserregern angesprungen zu werden. So versifft ist es hier sicher sonst nie und parallel dazu wird er sicher seltenst weniger Kohle von den Anwesenden bekommen, als heute. Sein Becher ist halbgefüllt mit 1- und 2-Centmünzen. Ich wasche mir die Hände (sorry!) und beruhige mein nachweihnachtliches Gewissen, indem ich einen Euro in seinen Plastikbecher werfe. Ich krame mein Diktiergerät empor und spreche einen Satz drauf, damit ich nicht vergesse, den Betrag von der Steuer abzusetzen. --- 11:45 Uhr: Eine junge Punkistin stolpert in unseren Stand und schüttet parallel zu ihrer Frage, ob ich besoffen sei, ihr Bier über unsere Shirts. Ich entgegne ein "Klar, im Vergleich zu Dir abber allemale!" Sie scheint sich zu freuen, bemerkt dann, dass Ihr Bier in einem unseren Shirts versickert, so dass sie geistesgegenwärtig versucht das Shirt auszusaufgn und dann wortlos entschwindet. --- 12:20 Uhr: Ich blicke auf den Stand gegenüber von uns und sehe, wie Teenage Rebel-Rüdiger auf einmal die Slime-Platte in Händen hält. Ich bin total verwirrt. --- 12:40 Uhr: Schon wieder liest sich jemand komplett unsere Motivmappe durch. Mit jedem Text. Knapp 20 Seiten, mit Erläuterungen, in welchen Größen und Farben wir die jeweiligen Motive dabei haben. Nach zehn Minuten legt er sie zur Seite und greift sich die identische zweite Mappe und wiederholt die Prozedur. Kommt trotz Wiederholung noch geiler als gestern. --- 13:10 Uhr: Schmeisig spielen und da diverse Personen vorher von denen geschwärmt haben, geh ich mal kurz rein. Nach drei Songs Rantanplan gestern (die mich in neuer Besetzung positiv überrascht haben) und drei Songs Kassierer (die an mir mit Feierabendbierchen völlig vorbei gingen, worum ich nicht traurig bin), das einzige, was ich mir live gebe. Raki von WSK spielt hier Bass, mehr weiß ich vorher noch. Die Herren covern via Akkustikgelöte alles, was nicht bei drei auffem Baum ist. Bon Jovi, Wizo, Ramones, "The Final Countdown", ich meine auch Bad Religion vom Stand noch erahnt zu haben. Als Opener des 2.Tages bekommen sie dafür ne volle Stunde Zeit und ich bin völlig perplex, wie geil das ist und erkläre mich hiermit zum Fan. Hammer!! Die hätte ich jetzt gerne die nächsten Stunden bei uns am Stand, an der Stelle, wo jetzt gerade (also irgenwann gestern) das Schlaflager errichtet wurde. Fantastische, geile Scheiße!! Im Auge behalten und bald mal bitte in aller Ruhe live erleben!! --- 13:55 Uhr: Um die Eindrücke dieser wohltuenden Abwechslung auch schnell wieder in die hinteresten Hirnregionen zu schieben, wird im angrenzenden Schlaflager lachend und hocherfreut mit den Innereien und der Pelle eines Fleischwurstkringels um sich geschmissen. Ich bin erneut begeistert, wie unterschiedlich Humorzentren ausgelegt sein können. --- 15:06 Uhr: COR kommen in die Vorhalle und gucken blöd aus der Wäsche, weil absolut kein Platz mehr da ist, um den Merchkram aufzubauen. Zwischen zwei Eingangstüren nutzen sie schließlich die 2 Meter, indem sie die dort liegenden schlafenden (ach was?) Punks nach vorne Rollen und sich einen Tisch besorgen. --- 16:00 Uhr: Der Typ mit der Slimeplatte torkelt an uns vorbei und hat sie inzwischen auf seinem Rücken festgenietet!! Ab dem moment, wo wir ihn am Vortag zum ersten mal sahen, als er die Platte als Kopfkissen benutzte, dürfte das jetzt das fünfte mal sein, dass wir mit dem ominösen Objekt konfrontiert werden. --- 16:50 Uhr: Und es geht entsprechend - wenn auch unspektakulärer - weiter. Ein anderer Typ läuft mit der Platte in der Hand an uns vorbei. --- 19:40 Uhr: Die letzten drei Stunden habe ich mich darauf konzentriert, das alles ohne einen einzigen Tropfen Alkohol - ich will ja noch nach Hause fahren - durchzuziehen. In diesem Moment fällt ein Typ, der in unserer Shirt-Wühlkiste wühlt (yes!) mit den Kopf in selbige. Ich befürchte das schlimmste, doch bevor er sich in dieser oral zu entleeren, zieht er sich selber weider raus. --- 20:55 Uhr: Nachdem bereits die KollegInnen aus Göttingen aufgrund der liegenden Belagerung ihres Standes vor Stunden die Segel gestrichen hatten und auch die Plastic Bombler entgegen ihres ursprünglichen Planens seit ein-zwei Stunden davon sind, bauen auch wir unser Hab und Gut ab und schaffen es sogar irgendwie durch die Massen alles gen Bully zu bringen. --- 21:30 Uhr: Mit Lars genieße ich endlich ein Feierabendbierchen, nachdem mich insgesamt vier oder fünf Leute, die inzwischen entnervt abgehauen sind, mit ihren Biermarken eingedeckt haben. Kurz danach enteise ich die Scheiben und fahre ausgepumpt nach Hause. Prost! ---Liveticker 29/12/2009
9:48 Uhr: Das Telefon klingelt. Schlaffke ist dran und fragt mich, ob ich seine Jacke in den Backstageraum gelegt hätte. Er hätte den totalen Filmriss und sei gerade frierend in seinem Auto wach geworden. Damit hat er zwar anderen BesucherInnen einiges voraus (z.B. den beiden, die früh morgens am 2. Tag mitten auf der Straße beim nächtigen gesehen wurden - und wenn ich "MITTEN auf der Straße" schreibe, dann ist das auch genauso gemeint), aber viel besser scheint es ihm gerade nicht zu gehen. Ich kläre ihn auf, dass ich ihm vorher mehrfach gesagt habe, er möge bis 21 Uhr seine Jacke abholen, ihn mehrfach angerufen und angesmst habe, ohne dass eine Reaktion erfolgte. Da ich von seinem Date mit Achim wußte, habe ich dann Anne bestochen, ihm die Jacke zu bringen. Die wurde aber nicht durchgelassen, traf am Backstageeingang jedoch auf PLY-Tobbe, der Schlaffke die Jacke übergeben sollte. Letztendlich hat Schlaffke die Jacke dann frühmorgens bei seinem Krauchen durch die Halle und durch die Backstageräume tatsächlich gefunden.Fazit
Möge sich das hier alles vielleicht nicht so ganz positiv anhören, so sei an dieser Stelle folgendes geschrieben: Wir haben an den zwei Tagen eine - soweit aus unserer Sicht zu beurteilen - perfekt organisierte Veranstaltung erlebt, die für die Zielgruppe eigentlich besser nicht sein könnte. Zu dieser gehöre ich halt nicht wirklich, aber das ist auch völlig latte. Veranstalter Alex & Crew haben einmal mehr großartiges geleistet und darum ein riesiges "Hut ab!" von meiner Seite. DAS hier (mal wieder) zu organisieren verdient höchsten Respekt. Mal davon abgesehen, dass ich mir sowas hier nicht antun wollen würde. Und wenn man dann noch sieht, dass Alex sich auch um - im Verhältnis zu dem, was an so nem Tag alles an Arbeit und Problemen ansteht - kleinere Fragen und Probleme selber ausführlich kümmert, kann ich echt nur den besagten Hut zum wiederholten male ziehen. Für diejenigen, die sich Teutschpunk in all seinen Facetten auf die Fahnen geschrieben haben und keinen Bock auf Grauzonenkackscheiße haben, ist die Veranstaltung perfekt. Klar ist so ne Veranstaltung auch auf Einnahmen angewiesen und da wäre es sicher auch für den Veranstalter leichter, sich im besagten Pool zu bedienen. Das wird hier aber - im Vergleich zu Kollegen - aus Überzeugung nicht gemacht und gerade in "Zeiten wie diesen", wo dieser ganze Wulst sich ausbreitet, ist so eine klare Linie wichtiger denn je. Und last but not least: Auch an der Verpflegung inkl. der Preise gibt es absolut nix zu meckern. Entsprechend freu ich mich schon jetzt aufs Ruhrpott Rodeo 2010, wo auch mein eigener Musikgeschmack samt Begleiterscheinungen eher getroffen wird und auch für mich persönlich das ganze perfekt macht. Prösterchen und bis dahinne - ach ja: wem gehört der grau-schwarz gestreifte Kapu?
(Maks www.rilrec.de)










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