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Im USELESS 103 gab es zum ersten Mal den "LOCATION CHECKER". Bands berichteten über Erfahrungen mit Konzertveranstaltern und Locations. Der Brückenkopf in Torgau schnitt dabei äusserst schlecht ab. Aber wie schon im Vorwort zu diesem Test geschrieben, kann so etwas natürlich auch eine Ausnahme sein, ebenso wie es beim Pommesbudentest ist. Denn hat die Pommesfee mal ungewaschene Haare, oder das Fett vergessen zu wechseln, genau dann steht der "Tester" vor der Türe. Es ging beim "Location-Checker" keineswegs darum, schlechte Propaganda zu machen, denn es gab auch einen äußerst positiven Bericht über "Gleis 22" in Münster, es ging lediglich darum auch einmal die Sichtweise von Bands zu beleuchten, die halt auch schonmal sehr negative Erlebnisse machen. 

Kurz nach Veröffentlichung des Berichtes meldete sich Sven, der sich als Chef vom Brückenkopf vorstelle und war mehr als erbost, was wir über den Brückenkopf schrieben und sagte, dass der "Location-Checker" maßlos übertrieben hätte. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal betonen, dass das erlebte zwar so stattgefunden hat, es sich aber durchaus um ein Ausnahme im Brückenkopf gehandelt haben kann. Für die Band, die mehrere hundert Kilometer zu dieser "Ausnahmeveranstaltung" fährt, ist das zwar immer noch ärgerlich, aber vielleicht wurde dadurch die Location "Brückenkopf" in ein falsches Licht gerückt. Deshalb möchten wir Sven an dieser Stelle die Möglichkeit geben in einem kurzen Interview den Brückenkopf noch einmal vorzustellen. Wir werden die Herangehensweise des "Location-Checkers" noch einmal überdenken. Für eure Meinungen in Form von Kommentaren unter dem Interview sind wir wie immer sehr dankbar!

Hallo Sven, erzähl uns doch bitte etwas über den Brückenkopf?

Eigentlich ist „Brückenkopf“ ein etwas fälschlich eingebürgerter Begriff der sich mehr auf das Gebäude und Gelände bezieht, in dem wir unser Domizil haben. Tatsächlich ist dieses Gebäude Teil einer ehemaligen napoleonischen Verteidigungsanlage, welche bis in die frühen DDR – Jahre militärisch genutzt wurde. Wir selber sind ein Verein, welcher sich seit 1996 „IG Rock e.V.“ nennt, da sich das aber nicht cool genug anhört, machen wir selbst vom Begriff „Brückenkopf“ Gebrauch. Wir sind als Verein selbstständig und nicht abhängig von Jugendamt oder Stadtverwaltung. Weiterhin sind wir freier Träger der Jugendhilfe. Wir haben eine Sozialpädagogin, die selber in der Punkszene verwurzelt ist und somit mit unseren Leuten. Auf unsere Unabhängigkeit legen wir sehr viel wert. Das bedeutet aber auch, dass wir jeden Cent dreimal umdrehen müssen bevor wir diesen ausgeben.  

Seit wann bist du der Chef des Brückenkopf?

Wie gerade schon erwähnt, sind wir ein Verein. Wie bei jedem Verein gibt es dort einen Vorstand, der bei uns jährlich gewählt wird. Ich bin seit September 2008 als Vorstandsvorsitzender tätig und wurde dieses Jahr wieder in den Vorstand gewählt. 

Gibt es bei euch mehrere Konzertgruppen?

Generell gilt erst einmal eines, jeder der bei uns etwas macht, macht dies absolut freiwillig und ehrenamtlich. Wir haben seit 2008 etwas aufgeräumt und koordiniert, so dass wir eine einzelne Person für unsere Konzertanfragen und Planung in Verantwortung haben. Dies spart definitiv unnötige Diskussionen. Konzertgruppen gibt es nicht. Es gibt jedoch einzelne Veranstalter aus verschiedenen Musikrichtungen. Wir haben uns dieser Hinsicht auch etwas mehr geöffnet. Jetzt haben wir von Oi und Punk über Metalcore/Hardcore bis zum Metal an Stilen wirklich alles dabei. Wie gesagt, da ja nicht jeder alles hört und es verschiedene Musikrichtungen gibt, gibt es eben auch verschiedene Veranstalter.

Wie werden Konzerte geplant? 

Wir versuchen nicht mehr als 2 Konzerte im Monat zu organisieren, da es hier in der Provinz nicht so viel Laufkundschaft gibt und die Leute schnell übersättigt sind. Dazu kommt, dass das Angebot in der umliegenden Gegend, wie überall gestiegen ist, was dann dazu führt, dass Leute wegbleiben. Also versuchen wir das Prinzip „Qualität statt Quantität“. Ebenfalls versuchen wir dabei Mischung der Musikstile ausgewogen zu halten um für jeden was bereit zu halten. Zur Planung: Wenn jemand eine Idee hat, wird diese uns als Vorstand unterbreitet und wir stimmen über Kosten und Risiken ab und bei positiver Abstimmung übernehmen wir die Organisation. Das heißt dann Verträge vorbereiten, Gagen aushandeln, Flyer entwerfen und drucken lassen, Barpersonal und Security organisieren. 

Welche Konditionen könnt ihr den Bands bieten?

Wir haben einen kleinen Konzertraum. Dieser fasst knapp 200 Personen. Daran müssen wir dann auch unsere Preisverhandlungen orientieren. Das bedeutet zum Beispiel, dass Bands die 1500 € kosten kaum eine Chance haben, bei uns zu spielen, da sich dies dann auf die Eintrittsgelder auswirken würde, was dann wiederum heißen würde…

Auf jeden Fall sind Bands für uns in erster Linie Gäste, das bedeutet, dass wir jeden Wunsch erfüllen, den eine Band hat. Wir haben einen gelernten Koch, der für das Catering verantwortlich ist. Bei uns gibt es halt nicht Nudeln mit Tomatensauce oder Chili con Carne sondern auch mal was Richtiges, zum Beispiel Geschnetzeltes mit Reis und Gurkensalat ;)

Wir versuchen die Bands eigentlich auch immer so unterzubringen, dass ich diese vor und nach dem Auftritt zurück ziehen können. Dort gehen auch die Ansprüche der Bands ziemlich auseinander. Da haben wir von Unterbringung bei privat über die nette Pension und im Sommer kann es auch schon mal der kühle Backstage sein, alles dabei. Wir bieten den Bands diese verschiedenen Alternativen immer an. 

Was passiert, wenn einmal weniger Zuschauer als erwartet auftauchen? Ändern sich dadurch die Konditionen, die mit der Band vereinbart waren?

Es ist zu beobachten, dass die Besucherzahlen in den letzten Jahren zurück gehen, das ist nicht nur bei uns der Fall, man kann das auch woanders beobachten. Konditionen sind Konditionen und dabei bleibt es. Bei uns wird nicht nachverhandelt. Es gibt aber auch Bands die merken, dass das Konzert nicht so gut gelaufen ist und die sagen von sich aus, dass sie weniger nehmen. Da sagen wir natürlich nicht nein. Auf jeden Fall ist uns bewusst, dass so eine Band natürlich auch enorme Kosten hat. Für uns wäre es das letzte so jemanden zu bescheißen. Dazu möchte ich ergänzend aber auch noch sagen, dass einige Bands in der „Szene“ mal ihre Horrorgagen überdenken sollten. 

Nun, so etwas erfährt man dann ja im Vorfeld und bucht diese Bands einfach nicht, wenn sie eine "Horrorgage" verlangen. 
Was ist dir denn am so genannten „Location- Checker“ im letzten USELESS gegen den Strich gegangen?

Für mich war es einfach nur schlechte Publicity, die mir als Zahnrad der Maschinerie Brückenkopf natürlich sehr weh tat. Ich fand viele Sachen sehr überzogen und manchmal etwas daneben. Zum Beispiel mit der Geschichte der Nachverhandlung oder der Kritik am Essen. Bei uns versucht jeder einzelne etwas für diesen Club zu tun. Dass ein Veranstalter nicht auftaucht ist für uns eine Sache, die es bei uns einfach nicht gibt. Ebenso die nicht erstellte und verteilte Werbung. Da sich bei uns auch immer mal Veranstalter einmieten, gehe ich fest davon aus, dass dies vielleicht eine Fremdveranstaltung war. Ich habe im Test ziemlich viel unglaubliches gelesen, jedoch habe ich auch etwas Kritik entgegen genommen, denn ich weiß, dass bei des Öfteren lange und viel gefeiert wird. 

Was könnte man  am "Location Checker" besser machen?

Vielleicht sollte man diesen Test nicht Stichprobenartig machen, sondern vielleicht eine Art Feldtest mit 3 Veranstaltungen und unterschiedlichen Bands daraus machen. Dazu könnte man schauen, wer wann dort gespielt hat und die unterschiedlichen Eindrücke von den Bands entgegennehmen.

Glaubst du, dass die Qualität des Auftritts einer Band mit dem Umfeld, was der Band geschaffen wird zusammen hängt?

Natürlich, wenn eine Band freundlich empfangen wird und auch auf die Band eingegangen wird, fühlt diese sich dementsprechend wohl und rasselt Ihr Set auch nicht nullachtfuffzehn runter. Wir versuchen, den Bands immer ein ordentliches Ambiente zu schaffen, ihnen einen ordentlichen Schlafplatz zu bieten und diese leiblich gut zu versorgen.


Interview: Rene Bx
http://www.brueckenkopf-torgau.de/

 

Kommentare

avatar Flix
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Locationchecker einfach so beibehalten, bin mir sicher dass im Brückenkopf jetzt einiges künftig besser laufen wird..
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avatar Babette
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der Locationchecker berichtet ja aus eigenen Erfahrungen, und dass Erfahrungen unterschiedlich er Natur sind, weiss ja ein Jeder, ist in allen Bereichen des Lebens so.
Deshalb ist es total klasse, dass es hier im USELESS die Möglichkeit gibt, Erfahrungen nicht nur einseitig mit zu teilen, sondern auch die "Gegenseite" zu Wort kommen zu lassen. So wie hier geschehen, und so gibt es nun nicht nur eine "Gegendarstellun g" zu lesen, sondern zudem ein wirklich sehr interessantes Interview zum Brückenkopf!!
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avatar Soiche
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Na, dass Interview klingt doch wirklich ehrlich & authentisch. Das rückt schon Einiges wieder grade. Bin dort auch des öfteren & das über fast ein Jahrzehnt & hab in dem Bau noch keine miese Veranstaltung erlebt. Umsonst hat der "BK" nicht so einen super Ruf bei uns im Osten... *weiter so*
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avatar Andre
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Positiv: Dass einem Verantwortliche n die Möglichkeit gegeben wurde, Stellung zu nehmen. Was das bringt steht auf einem anderen Blatt, da aufgrund der Flut an Internet-Zines wohl kaum jeder, der die Printausgabe liest, auch hier draufgeht.

Negativ: Der Locationchecker an und für sich. Ganz ehrlich, Leute: Das war doch eindeutig eine Abrechnung, weil man sich scheiße behandelt gefühlt hat. Das geht aber ganz sicher auch auf andere Art und Weise, ohne gleich in der Öffentlichkeit Alarm zu schlagen. Und Ihr seid doch auch lange genug dabei um zu wissen, dass gewisse Locations unterschiedlich e Veranstalter haben, etc. Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich unfair, aufgrund EINER Erfahrung, die man gemacht hat direkt so etwas schädigendes (und das ist es) zu veröffentlichen OHNE vorher mal den Versuch zu unternehmen, mit dem Veranstwortlich en des Ladens Kontakt aufzunehmen. Alleine die Art und Weise des Locationchecks ist schlichtweg unfair: Hätte man sich hier bei anderen Bands, die dort bereits gespielt haben erkundigt, ob es bei denen genauso gelaufen ist und die überwiegende Mehrheit die gleichen Erfahrungen gemacht hätten, fände ich es völlig OK. Und NATÜRLICH geht aus dem Checker hervor, dass das Urteil auf nur eine Veranstaltung basiert. Aber es wirft trotzdem ein negatives Licht auf den Laden (und es ist zudem ja auch kein Veranstalter-Ch eck sondern ein Location-Check).

So sehr ich Euer Heft schätze (es ist eins meiner Lieblingszines, ganz klar), finde ich solche "Abrechnungen" in der Art äußerst unfair. Ich möchte auch noch betonen, dass ich den Laden und Verstalter nicht einmal kenne, also niemanden persönlich verteidigen möchte, was aber auch überhaupt keine Rolle spielt. Aber Ihr solltet Euch vielleicht für die Zukunft mal überlegen, welche anderen Wege es gibt, gewisse Dinge zu klären, ohne direkt an die Öffentlichkeit zu gehen (ich finde das eine unangemessene Art von "Rache"). Auch wenn ihr als Gegenpart noch eine positive Erfahrung erwähnt habt, bleibt am Ende für mich das Bild von jemandem, der auf seine (nicht ganz faire Art) mit jemanden abrechnen wollte, sich dabei aber verrannt hat.

Ansonsten macht weiter so, denn das ist wirklich das einzige, was ich zu beanstanden hätte. Allerdings auch, aus meiner Sicht, ein sehr gravierender Punkt.
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avatar Carsten
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Danke für deine Resonanz! Du hast nicht ganz unrecht, jedoch sollte dies tatsächlich kein Rachefeldzug werden. Vielleicht war es einfach zu unüberlegt.
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avatar Holm
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Sehr geehrte Damen und Herren, als ich den Locationchecker lass, kam auch in mir das Gefühl auf, dass da ne ganz persönliche Geschichte ausgetragen wird. Schon damals habe ich mich gefragt, ob die Leute vom Brückenkopf ein Statement dazu abgeben konnten. Also hab ich die im Interview erwähnte Sozialarbeiteri n gefragt. In Torgau kannte man weder den Bericht, noch kam jemand aus der Redaktion auf die Idee dort nachzufragen. Egal ob an dem Checker Bericht alles stimmt oder nicht, eine Nachfrage wäre das Mindeste gewesen, was man einem Laden schuldig ist, der so bescheiden abschneidet. Das Interview hätte ins Heft gehört, um den Leser umfassend und nicht einseitig zu informieren! Vielleicht könnt ihr das als Anregung aufnehmen.
ps Eines noch zum Schluss. Hättet ihr den Artikel nicht anonym veröffentlicht, wäre die Kritik sicher auch sachlicher ausgefallen.
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avatar Schnitzel
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Schade, dass ich den Bericht nicht kenne. So kann man sich keine Meinung bilden.
Verlinkt ihn doch bitte!
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avatar Rene
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bestell das useless #103 lieber schnitzel. ganz einfach ;)
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avatar Fucker
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Ich kenne den Bericht leider auch nicht, aber muss schon sagen das es einige Leute am BK gibt die denken das sie die besten und die einzug wahren Skins und oder Punks sind. Is mir das eine oder andere mal aufgefallen. Ich meine Daumen nach oben für den Laden und den Verein und deren Arbeit. Aber ich habe das Gefühl das der "Nachwuchs" mit unter die Nase ganz schön hoch trägt....Wie gesagt ich bin sehr gerne am Bk und habe dort schon die besten Konzis erlebt aber die Szenepolizei kotz mich an...Gruß
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